„Die Feuerwehr, sie hat geschmollt, weil doch der Rubel nicht gerollt...“

Mit Humor nicht geknausert: Schimmel Fastnachts-Gala gab Geiz-ist-geil-Mentalität keine Chance / Zweite Sitzung

Mit Humor nicht geknausert: Schimmel Fastnachts-Gala gab Geiz-ist-geil-Mentalität keine Chance / Zweite Sitzung

fastnacht 1Im Jahr Eins nach dem 50-Jahre-Sitzungsjubiläum ließen die Karnevalisten der Sängervereinigung Mainflingen (SVM) einen leibhaftigen Dudelsackbläser als Symbolfigur schottischer Knauserigkeit aufmarschieren. Ein abgespeckter Teil des Elferrats unter Führung von Sitzungspräsident Harald Seibert trottete mit nur drei Gardemädchen im Gefolge des Mannes im karierten Kilt (Rudolf Wallisch). Botschaft, ganz im Zeitgeist: Wir müssen sparen!

Doch das Geizspektakel der Schimmel-Fastnachter war von kurzer Dauer. Unter heftigen Protestrufen - „Wir wollen unsere Fastnacht wieder haben" - kam das komplette Präsidium auf Bühne und setzte dem Treiben ein Ende. Die originelle Ouvertüre zur Galasitzung mit 17 Beiträgen im ausverkauften Bürgerhaussaal baute das Publikum richtig auf. Mehr als 150 Aktive auf und hinter der Bühne boten der Narrenschar ein Fünf-Stunden-Spektakel mit Herz und Verstand. „Wir zelebrieren in Maaflinge die Fastnacht live, ohne großes Playback und aus Spaß an der Freud", beteuerte Harald Seibert. Doch der Reihe nach.

Der Kinderchor unter Leitung von Christian Hesse trug spielerisch eine „Muppet-Show" vor. Jubelnder Beifall dankte den 22 Kleinen, von Dagmar Müller und Ute Oftring vorbereitet.
fastnacht 3Harald Wiegand hielt als Kultfigur Till Welt und Ort den Narrenspiegel vor. Beißender Spott galt Ereignissen rund um den Erdball und Begebenheiten vor der eigenen Tür. Bundestags-, Kanzlerin- oder Papstwahl, CIA-Affäre, Naturkatastrophen und Vogelgrippe nahm der „Schimmel-Till" in Versen aufs Korn, um nur einige der Themen aus den jüngsten zwölf Monaten zu nennen. In Sachen Feuerwehrhaus, Straßenbau und Supermarkt zelebrierte er geistreiche Seitenhiebe, die für Begeisterungsstürme sorgten, aber einen durchaus ernsten Hintergrund hatten: „Die Feuerwehr, sie hat geschmollt, weil doch der Rubel nicht gerollt..." Und: „In Martin-, Schillerstraß' und Brüder-Grimm-, da sind noch immer große Löcher drin." Oder: „Nach dem Grundstückskauf taucht weder Supermarkt noch Bargeld auf!"

fastnacht 2Acht mal zwei hübsche Beine der Tanzgarde flogen für den Elferrat als Vorspann zum Zwiegespräch eines am Bahnhof Zellhausen gestrandeten Kunstliebhabers (Christian Hesse) mit dem Mann für Sauberkeit an der Station (Gunter Knecht). Über des Straßenkehrers ständig missverstandene Deutungen zum Schaffen der Dichter Goethe und Schiller bogen sich die Leute vor Lachen. Richtig in Stimmung gebracht, heizten Lissy Wingender und Bruno Wissler den Närrinnen und Narrhallesen kräftig mit ihren Schunkelliedern ein.
Ein Wiedersehen gab es mit der zwölfjährigen Denise Oftring. Unter dem Motto „Sie ist wieder da" bekräftigte die junge Dame, dass es in ihrer Familie Tradition hat, in der Fastnacht aktiv zu sein. Ohnehin will der Sitzungspräsident stets Nachwuchstalente in der Bütt sehen.

Einen Kracher landeten die „Maastromer" Günther Knies, Robert Steil, Manfred Kratz, Norbert Hesse und Frank Heinzmann. In ihrer Parodie „Eine Schifffahrt auf dem Rhein von Mainz bis Köln" zogen sie alle Register der Komik. Vor allem der Leichtmatrose „Hein Blöd" alias Robert Steil schoss mit seiner einmaligen Mimik ganze Breitseiten auf die Lachmuskeln der Fastnachtfans ab. Mit kehliger Stimme sorgte „Käpt'n" Knies für Leben auf der zum Stimmungsdampfer mutierten Bühne. Sein Team brillierte mit Sketchen, die eine Beziehung zu den Stationen der Spaßfahrt hatten: Binger Loch, Loreley, Bonn und Köln. Das war ein glanzvoller Höhepunkt in der ersten Hälfte dieser 51. SVM-Sitzung.

Nach der Pause zogen 14 „Maa-Fähr-Ladies" aus, um durch die Straßen von Paris zu flanieren. Unter der Regie von Werner Utmelleki sangen die attraktiven Damen zu schmissigen Melodien aus der Unterhaltungsmusik neu abgefasste Texte. Gekommen in einem Aufzug, der eher für einen Wanderausflug in den Spessart taugte, vollzogen die Akteurinnen unter tosendem Beifall in Sekundenschnelle auf der Bühne einen kompletten Garderobewechsel, der dem Motto ihres Auftritts „Maaflinger Fieß zu Gast in Paris" gerecht wurde: Prasselnden Applaus gab's auch zum Abschied.

fastnacht 4Dann kündigte Seibert an, vor der Saaltür stehe ein „Spätzünder"; ob er reingelassen werden solle? Die Entscheidung fiel einstimmig. Unter der feinen Maskerade der schleppenden Schritts daherstolpernden Person verbarg sich niemand anders als Günther Knies. In bekannt überdrehter Tonalität outete er sich das eine und andere Mal als ewig zu spät Gekommener. „Als Kind bin ich mit elf Monaten zu Welt gekommen, wurde aber trotzdem von meiner Mutter freudig begrüßt!" Minutenlang folgten die herrlichsten Kalauer, gespickt mit den unvermeidlichen Spitzen in Richtung der Nachbarn nach, Zellhausen. „Günther, du bist um ein Vielfaches besser als der Hessenbauer Karl Oertl bei seinem letztjährigen Gastauftritt", lobte Seibert und spendete die erste Beifallsrakete des Abends.

Kräftig nahm Robert Steil die Trendsportart Golf auf die Narrenschippe. Tiefen Einblick in die Seele des Federviehs im Zusammenhang mit der Vogelgrippe gewährten die „Mainfinken". Unter musikalischer Leitung von Werner Utmelleki hielten sie eine „Konferenz der Hähne", die das Wegsperren der Hennen lauthals beklagte. Die Mannen der Sangesgruppe waren ob ihrer herrlichen Federkleider kaum zu erkennen. Ihre Kostüme (Maria Knecht, Dagmar Müller, Ria Stadtmüller) waren bis ins Detail liebevoll ausgearbeitet.

Spektakulärer Abschluss war der Auftritt der Männertanzgruppe „Die Maa-Brücke-Rappeler". Als Putzkolonne bildete sie den Kehraus. In Damenkleidung legten die 14 Mannsbilder unter frenetischem Beifall einen spektakulären Strip hin, bei dem Schürzen und Putztücher nur so durch die Luft flogen.

Fast mit einer Punktlandung endete die Sitzung. Eine Wiederholung gibt's am Samstag, 11. Februar, am selben Ort. Dem Vernehmen nach ist sie ausverkauft. „Ein Anruf bei Maria Knecht (06182 1401) lohnt dennoch, weil immer Karten zurückgehen, die wir an Interessenten abgeben", versichert Sprecher Günther Knies.