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Die ersten 100 Jahre

Der erste Jahrhundertwechsel für das gesanglich organisierte Mainflingen

Im Jahre 1887 waren es 24 junge sangesfreudige Männer, welche die heutige „Sängervereinigung 1887“ damals unter dem Namen Gesangverein „Einigkeit“ aus bescheidenen Anfängen heraus gründeten. Niemand konnte die Entwicklung dieser Neupflanzung absehen. Erster Vorsitzender des Vereins wurde Herr Ludwig Wißmann. Seine sängerische Tätigkeit begann der Chor unter Stabführung von Herrn Lehrer Knapp. 1897 wählte die Generalversammlung Herrn Josef Kuhn zum Vorsitzenden. Kaum war ein Jahrzehnt seit der Gründung vergangen, da konnte man daran denken, im Jahre 1898 das Fest der Fahnenweihe zu begehen. Kurz nach der Jahrhundertwende verpflichtete man als Chorleiter Herrn Isaak Hamburger aus Seligenstadt. Unter seiner Leitung ging man erstmals daran, größere gesangliche Veranstaltungen zu besuchen.

So konnte im Jahre 1909 bei einem Wettstreit in Groß-Auheim der zweite Klassenpreis und ein Ehrenpreis errungen werden. Schon im nächsten Jahre 1910 wagte man es, an einem großen Wettstreit in Darmstadt teilzunehmen. Hier errang der Verein unter stärkster Konkurrenz den dritten Klassenpreis. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges im Jahre 1914 setzte der Tätigkeit des aufstrebenden Vereins ein jähes Ende. Neun von 30 eingezogenen Mitgliedern war es nicht vergönnt, in die Heimat zurück zu kehren. Schon kurz nach Kriegsende im Jahre 1919 sammelte sich der Rest des Vereins, um sich wieder friedlicher Arbeit zu widmen. Die sängerische Tätigkeit begann unter der Leitung von Herrn Anton Eisert.

Sängerische Folgen zweier Weltkriege

Im Jahre 1921 übernahm als neuer Dirigent Herr August Ebert aus Groß-Auheim die Leitung des Chores. Unter der Stabführung von Herrn Dirigent Ebert entwickelte sich der Chor in den zwanziger Jahren zu einem beachtlichen Klangkörper. Von dieser Tatsache zeugen die erfolgreichen Besuche von verschiedenen Wettstreiten, wie z.B. im Jahre 1926 in Groß-Auheim, 1928 in Zellhausen und 1929 in Ravolzhausen bei Hanau. So konnte der Chor dank der zielstrebigen Arbeit seines Chorleiters ein überdurchschnittliches Niveau vorweisen, als er im Jahre 1927 das 40-jährige Vereinsbestehen mit einem dreitägigen Sängerfest feierte. Zu dieser Zeit zählte der Chor 65 Sänger. Im Jahre 1930 wurde Herr Adolf Walter zum Ersten Vorsitzenden des Vereins gewählt. Er behielt dieses Amt bis zum Jahre 1955, abgesehen von einer politisch bedingten Unterbrechung von 1933-1936, in der Herr Ferdinand Klug den Verein führte. Adolf Walter erwarb sich in seiner 25-jährigen Tätigkeit als Vorsitzender unschätzbare Verdienste um den Verein und steuerte das Vereinsschiff in oft schwerer und schwieriger Zeit zielbewusst um alle Klippen. Ein echter „Vereinsvater“.

Das Jahr 1934 brachte wieder einen Dirigentenwechsel. Herr Heinrich Küchler aus Dudenhofen wurde als neuer Chorleiter verpflichtet. Unter seiner Leitung fanden in den Jahren bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges vor allem einige sehr erfolgreiche Chorkonzerte statt. In diese Zeit fällt auch die Gründung eines Knabenchores, der sowohl solistisch als auch gemeinsam mit dem Männerchor besonders die Konzertprogramme bereicherte. Das 50-jährige Vereinsjubiläum konnte im Jahre 1937 nur in bescheidenem Rahmen mit einem Liedertag im Saal „Zum Deutschen Michel“ gefeiert werden.

Ein Höhepunkt der sängerischen Tätigkeit war das Rundfunksingen im Jahre 1938. Am 7. August stand der Chor mit 62 Sängern im Frankfurter Funkhaus und gestaltete ein live ausgestrahltes 30-Minuten-Programm. Die erfolgreiche Tätigkeit und Weiterentwicklung des Vereins wurde im Herbst 1939 durch den Ausbruch des zweiten Weltkrieges erneut jäh unterbrochen. Wiederum mussten viele Mitglieder die Heimat verlassen. Abermals wurden die Reihen des Vereins gelichtet. 16 sangesfreunde kehrten nicht mehr in die Reihen des Chores zurück. Die in der Heimat verbliebenen Sänger versuchten das Vereinsleben aufrechtzuerhalten. Im Ietzten Jahr des unseligen Krieges standen noch etwa 20 Sänger zur Verfügung. Und doch wurde diese kleine Schar unter der Leitung des Vize-Dirigenten Georg Wilhelm allen Anforderungen bei örtlichen und vereinsinternen Begebenheiten gerecht.

Aufbruch zu neuen Ufern

Erst im Jahre1946 konnte der Verein seine Tätigkeit wieder umfassend aufnehmen. In dieses Jahr fällt der Zusammenschluss der „Einigkeit“ mit dem Arbeitergesangverein „Vorwärts“, der im Jahre 1921 gegründet wurde, aber nach der sogenannten Machtergreifung 1933 seine bis dahin ebenfalls sehr erfolgreiche Tätigkeit aufgeben musste. Nach dem Zusammenschluss erfolgte die Umbenennung des Vereins in „Sängervereinigung 1887 Mainflingen“. Unter neuem Namen, aber in alter Treue, wurde nun weitergearbeitet. Noch war Chorleiter Heinrich Küchler in Kriegsgefangenschaft, so dass Herr Isaak Hamburger trotz seines hohen Alters nochmals einsprang und den Chor leitete. Im Jahre 1947 kehrte Herr Heinrich Küchler dann zurück und setzte seine durch den Krieg unterbrochene Aufbautätigkeit fort.

Jetzt begann eine noch nie erlebte Blütezeit im Chorleben allgemein. Die Sänger- und Mitgliederzahl des Vereins wuchs ständig. Immer mehr junge Männer schlossen sich dem Chor an. Dies wirkte sich natürlich positiv auf die Leistungsfähigkeit des Chores aus. So waren es am 12. November 1950 stattliche 95 Sänger, die im großen Sendesaal des Hessischen Rundfunks in Frankfurt in einer Live-Sendung die „Stunde des Chorgesangs“ gestalteten. Gesellschaftlicher Höhepunkt in diesem Jahr war ein Vereinsausflug per Schiff nach Klingenberg.

Das Jahr 1952 stand ganz im Zeichen des 65-jährigen Vereinsbestehens, das im großen Rahmen gefeiert wurde. Auftakt war ein Jubiläumskonzert, bei dem neben dem Männerchor auch der wieder gegründete Knabenchor des Vereins und das Streichorchester der Stadtkapelle Seligenstadt mitwirkten. Unter der bewährten Leitung von Chormeister Heinrich Küchler wurde ein anspruchsvolles und gut aufgebautes Programm geboten, dessen Höhepunkte von den Zuhörern begeistert aufgenommen wurden. Mit diesem Konzert konnte der Chor seine Leistungsstärke erneut unter Beweis stellen. Im Juni 1952 wurde dann das eigentliche Stiftungsfest gefeiert, Bürgermeister Josef Schneider hatte das Amt des Festpräsidenten übernommen. Auf dem Festgelände herrschte drei Tage lang ein reges Leben und Treiben. Etwa 30 Vereine mit 2.000 Sängern nahmen am Festgeschehen teil. Diese Festtage waren eine hervorragende Demonstration für den Chorgesang, von der alle Beteiligten noch lange sprachen.

Auch im Jahre 1953 setzte sich die stetige Aufwärtsentwicklung des Chores fort. Davon zeugt vor allem ein im Mai veranstaltetes Chorkonzert. Ganz kurze Zeit nach dem großen Jubiläumsfest hatte man ein Programm erarbeitet, das den Anforderungen der modernen Chorliteratur, und vor allem den Ansprüchen des kritischen Publikums, vollauf gerecht wurde.

Einen Höhepunkt der sängerischen Tätigkeit hat der Chor im Oktober 1954 bei einem Kritikwertungssingen des „Männergesangvereins 1844 Mainz-Kostheim“ erreicht. Die Teilnahme an diesem Singen wurde mit einem Vereinsausflug verbunden, der 250 Personen als Teilnehmer sah. Der rund 100 Sänger zählende Chor stellte sich in einer Konkurrenz von 24 Männerchören der Jury. Für den vorgetragenen großen Chorsatz „Ans Werk“ von Willy Sendt erhielt der Chor die höchstmögliche Wertung „hervorragend“. In seiner Kritik schreibt der Wertungsrichter Hugo Lotz aus Wetzlar: „Hier gelang es in Tonreinheit, Rhythmik, Dynamik, Aussprache, Tonbildung und Chorklang einer überlegt vorbereiteten und ebenso beherrscht geführten Chorgemeinschaft im rechten Augenblick mit dem rechten Werk in die rechte Hochform zu kommen. Im ganzen volle Anerkennung und Beifall für diese Musterleistung im Chorgesang!“ Sie brachte dem Verein weiteren Auftrieb.

Im Jahre 1955 wurde wieder ein Chorkonzert veranstaltet, bei dem der Chor erneut seine Leistungsstärke unter Beweis stellte. Mit einer hervorragenden Bewertung beim Kreiswertungssingen in Klein-Auheim im Mai 1955 konnte sich der Chor
für die Teilnahme am Bundesleistungssingen des Hessischen Sängerbundes im Jahre 1956 qualifizieren. Doch zunächst brachte das Jahr 1956 nach langer Zeit wieder einen Wechsel in der Vereinsführung. Der seitherige erste Vorsitzende Adolf Walter, der dieses Amt seit 25 Jahren erfolgreich begleidete, musste das Amt aus gesundheitlichen Gründen niederlegen. In Anbetracht seiner einmaligen Verdienste um den Verein wurde er durch einstimmigen Beschluss der Generalversammlung zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Zum neuen Vorsitzenden wählte die Versammlung den bisherigen zweiten Vorsitzenden Otto Wissler. Am 6. Mai 1956 fand im großen Saal des Volkshauses in Mörfelden das Bundesleistungssingen statt, für das sich der Chor im Vorjahr qualifiziert hatte. Hier zeigte der Chor unter der Leitung seines Dirigenten Heinrich Küchler wieder die gewohnt reife Leistung. Im Jahre 1956 fand auch ein Chorkonzert statt, bei dem der Männerchor wiederum einen breiten Querschnitt seiner vielseitigen Arbeit vor zahlreichem Publikum geben konnte.

Nach einem Dreivierteljahrhundert zu neuer Blüte

Im Jahre 1957, dem Jahre seines 70-jährigen Bestehens, stellte sich der Verein die Aufgabe, erstmals selbst ein Wertungssingen auszurichten. Als Wertungsrichter konnte der bekannte Musikpädagoge Professor Dr. Hans Teuscher gewonnen werden. Seiner Kritik stellten sich am „Tag des deutschen Liedes“, dem 26. Mai 1957, insgesamt 18 Chöre mit fast 1.400 Sängern, die durchweg auf hoher Stufe stehende Leistungen boten. Eine Woche vorher hatte der Männerchor an einem Wertungssingen im Volksbildungsheim Frankfurt teilgenommen. Hier errang er wieder einen großartigen Erfolg, denn es wurde ihm als einzigem aller teilnehmenden Chöre das Prädikat „hervorragend“ zuerkannt.

Im Jahre 1958 konnte bereits wieder ein Chorkonzert mit neuem Programm stattfinden, bei dem neben dem Männerchor die bekannte Frankfurter Opernsopranistin Meta-Maria Kopp mitwirkte. Im Mai 1959 fand im Saal „Zum Deutschen Michel“ ein festlicher Ehrenabend statt, an dem der Verein seinem Chormeister Heinrich Küchler für seine bis dahin 25-jährige Tätigkeit als Dirigent des Männerchores dankte. Am 7. Mai 1960 beteiligte man sich erneut an einem Wertungssingen in Mainz-Kostheim. Dies wurde mit einem Ausflug in den Taunus verbunden. Das Wertungssingen und die Fahrt war für alle Teilnehmer wieder ein großes Erlebnis und für die Sänger einmal mehr ein „hervorragender" Erfolg. Der eigentliche gesangliche Höhepunkt des Jahres 1960 war jedoch zweifellos die Teilnahme an dem Bundesleistungssingen in Frankfurt-Schwanheim. Hier konnte sich der Chor durch seine hervorragenden Leistungen die Teilnahmeberechtigung am Bundeschorkonzert ersingen. Dieses Konzert fand im Herbst 1961 im Theater der Stadt Offenbach statt. Die vom Hessischen Sängerbund ausgewählten und zur Verfügung gestellten Chorwerke wurden von den Sängern ausgezeichnet gestaltet. Die Offenbach Post schrieb dazu: „Heinrich Küchler dirigierte souverän seine klanggewaltige Sängervereinigung Mainflingen. Die in Stimmung unterschiedlichen Sätze erfuhren eine mitreißende Gestaltung."

Das Jahr des 75-jährigen Vereinsbestehens wurde am 12. Mai 1962 mit einem großen Jubiläumskonzert eröffnet. Bei der Akademischen Feier im Juni konnten 47 Iangjährige Mitglieder ihre Ehrennadeln aus der Hand des Präsidenten des Hessischen Sängerbundes, Herrn Georg Hertel, entgegennehmen. Absoluter Höhepunkt waren dann die Festtage vom 30.
Juni bis zum 2. Juli 1962. Festpräsident war wieder Bürgermeister und aktives Vereinsmitglied Josef Schneider. Die Schirmherrschaft hatte Herr Landrat Heil übernommen. Der SVM-Männerchor zählte zu dieser Zeit 110 Sänger. Das Gelände für den Festplatz wurde dem Verein von Mitglied Karl Walter III zur Verfügung gestellt. Höhepunkt des Festsonntags war das Prädikat-Wertungssingen. Hier trafen sich 17 Chöre mit über 1000 Sängerinnen und Sängern, um sich der Kritik der beiden Wertungsrichter zu stellen. In der Presse wurden sowohl das hohe gesangliche Niveau, als auch der reibungslose Ablauf und die hervorragende Organisation besonders herausgestellt. Der zweite Höhepunkt war der großartige Festzug am Sonntagnachmittag mit über 2000 Teilnehmern aus Gast- und Ortsvereinen, der alle Erwartungen bei weitem übertraf. lnsgesamt haben beachtliche 45 Chorvereinigungen an diesem Fest teilgenommen. Dieses gut gelungene Jubiläumsfest wirkte sich auf die folgende Vereinstätigkeit naturgemäß sehr positiv aus. Dies kam in einer ständig steigenden Mitgliederzahl und einer konstanten Chorstärke zum Ausdruck.

Erfolgreiche 60er Jahre

Das Jahr 1963 brachte viele auswärtige Verpflichtungen für den Chor. Zahlreiche Freundschaftssingen und sechs Sängerfeste mussten besucht werden. Wie ernst dem Verein diese Verpflichtungen waren, beweist die Tatsache, dass von den sechs Festbesuchen fünf erste oder zweite Festzugspreise wegen Höchstteilnehmerzahlen mit nach Mainflingen genommen werden konnten. Bei einem Prädikat-Wertungssingen in Albstadt ersang sich der Chor zweimal die Höchstnote „hervorragend“. Etwas ruhiger ging es dann im Jahre 1964 zu. Gesanglicher Höhepunkt war die Teilnahme am Prädikat-Wertungssingen, das der Gesangverein „Harmonie“ Zellhausen im Juli 1964 veranstaltete. Hier konnte mit den Noten „hervorragend“ und „sehr gut“ erfolgreich an die Leistungen bei früheren Wertungssingen angeknüpft werden.

Im Jahre 1965 unternahm man einen Vereinsausflug nach Bad Münster am Stein, wo der Männerchor in den Kuranlagen konzertierte. Sängerische Höhepunkte des Jahres 1966 waren die erfolgreiche Teilnahme an einem Wertungssingen in Weiterstadt und der Besuch des Jubiläumssingens in Hochheim.

Das Jahr 1967, in dem der Verein auf sein 80-jähriges Bestehen zurückblicken konnte, war zunächst von einem anderen Ereignis gekennzeichnet. Der Saal des Vereinslokals „Zum Deutschen Michel", das dem Chor praktisch seit seiner Gründung für Singstunden und alle Veranstaltungen zur Verfügung stand, konnte infolge unüberbrückbarer Gegensätze zwischen dem Verein und dem damaligen Pächter leider nicht mehr von dem Chor genutzt werden. Es fiel allen Sängern schwer, sich von
diesem Lieb gewordenen Traditionslokal zu trennen, doch unter den damaligen Umständen war dies für den Verein unvermeidlich. Im Gasthaus „Zum Schimmel“ fand der Chor schließlich ein neues, gastfreundliches Zuhause. Allerdings hatte dieser Lokalwechsel auch zur Folge, dass die geplanten Jubiläumsveranstaltungen kurzfristig in ein Zelt verlegt werden mussten, welches am Sportplatz an der Zellhäuser Straße aufgestellt wurde. Viele auswärtige Gäste, die Ortsvereine und die gesamte Einwohnerschaft haben den Verein an beiden Festtagen prächtig unterstützt und zum Gelingen auch dieses kleinen Festes beigetragen. Bei einem Freundschaftssingen und ganz besonders bei einem Wertungssingen zeigten viele befreundete Vereine ihr Können. Ende des Jahres 1967 nahm der Iangjährige musikalische Leiter des Chores, Herr Heinrich Küchler, im Alter von 68 Jahren seinen Abschied. Dieser dynamische und hochgeschätzte ChorIeiter hat den Chor fast 34 Jahre lang erfolgreich geleitet. Er hat in dieser Zeit mit seinen Sängern sehr viele und sehr schöne Erfolge errungen und den Chor immer wieder zu höchsten Leistungen motiviert.

Neuausrichtung mit Robert Herr und Rundfunkübertragungen

Im Januar 1968 übernahm Robert Herr aus Zellhausen die Leitung des Chores. Er setzte die Chorarbeit kontinuierlich fort und war in der Lage, die Sänger neu zu begeistern. Dies zeigte sich besonders in dem guten Singstundenbesuch und der wieder wachsenden Sängerzahl. Sie wuchs bereits nach kurzer Zeit wieder auf über 90 Aktive. Die Mitgliederzahl überschritt im Laufe des Jahres 1968 erstmals die Zahl 300. Das Bundesleistungssingen in Mainz-Gustavsburg brachte dem Chor den ersten sängerischen Erfolg unter seinem neuen Chorleiter Robert Herr. Die Sängervereinigung verfügte über eine Besetzung des ersten Tenors, die in ihrer hohen Qualität und Leistungsfähigkeit im weiten Umkreis für eine gewisse Zeit von keinem Verein überboten werden konnte. Hier konnte unter starker Konkurrenz erneut die Qualifikation für das Bundeschorkonzert geschafft werden.

Auch im Jahre 1969 hatte der Verein umfangreiche und vielseitige Aufgaben zu erfüllen. Besonders hervorgehoben sei hier das Gemeinschaftskonzert der Herr-Chöre in Klein-Auheim und die Teilnahme am Bundeschorkonzert im Kurhaus von Bad Nauheim. Herausragendes Ereignis des Jahres 1970 war der Auftritt des Chores beim Wertungssingen in Jügesheim, wo zweimal die Höchstnote „hervorragend“ erzielt werden konnte. Nach dem für den Chor ruhig verlaufenen Jahr 1971 sah man sich 1972 wieder vor größere Aufgaben gestellt. Sängerischer Höhepunkt war ein Chorkonzert am 22. April 1972 im Bürgerhaus in Mainflingen. Dieses Konzert wurde gemeinsam mit dem ebenfalls unter der Leitung von Robert Herr singenden Gesangverein „Harmonie“ Zellhausen gestaltet. Außerdem wirkte das Hornquartett des Hessischen Rundfunks und als Solist Karlheinz Herr vom Nationaltheater Mannheim mit. Diese Veranstaltung wurde für das Publikum im restlos ausverkauften Bürgerhaus zu einem großen Erlebnis.

Aus Anlass des 85-jährigen Bestehens veranstaltete der Verein im Oktober 1972 im Bürgerhaus einen Chormusikabend und ein Sonntagskonzert. Hier zeigten insgesamt 15 befreundete Chöre ihr Können. Bei einem Wertungssingen in Niedermittlau im Juli 1972 erhielt der Chor für seine beiden Vorträge die Bewertung „hervorragend“. Im Jahre 1973 konnte endlich ein Iang gehegter Wunsch der Sänger, wieder einmal im Rundfunk aufzutreten, verwirklicht werden. Am 11. April kam ein Aufnahmeteam nach Mainflingen, um im Bürgerhaus die Jagdkantate - ein halbstündiges mehrteiliges Chorwerk - für den Hessischen Rundfunk aufzunehmen. Die Erstsendung folgte dann am Pfingstsonntag 1973. Danach ist das von unserem Chor, dem Solisten Karlheinz Herr und dem Hornquartett des HR gestaltete Werk weitere fünfmal im Volksmusikprogramm des Hessischen Rundfunks gesendet worden. Bei einem Wertungssingen der „Sängerlust“ Hausen im gleichen Jahr konnte abermals eine hervorragende Bewertung erzielt werden.

Konzertante Höhepunkte der 70er Jahre

Höhepunkt des Jahres 1974 war das 25-jährige Dirigentenjubiläum des Chorleiters Robert Herr, das mit einem festlichen Konzert der Sängervereinigung und der Harmonie Zellhausen gefeiert wurde. Im wieder ausverkauften Mainflinger Bürgerhaus konnte Robert Herr am 16. November 1974 zahlreiche Glückwünsche, vieI Lob und Anerkennung für sich und seine Chöre entgegennehmen.

Im Jahr 1975 fuhr der Chor nach Steinbach in der Rhön, um mit dem dortigen Männergesangverein „Cäcilia“ ein Gemeinschaftskonzert zu veranstalten. Auch dieser Tag mit Übernachtung dort, wurde zu einem gesanglichen und gesellschaftlichen Erfolg. An die Reihe der erfolgreichen Wertungssingen knüpfte der Chor im September 1975 in Hörstein an, wo er wiederum zweimal die Note „hervorragend" errang. Im Jahre 1976 war es neben vielen auswärtigen Besuchen das Jubiläumsfest unseres Brudervereins „Sängerbund 1901“, das den besonderen Einsatz unserer Sänger und Mitglieder erforderte. Auch hier stand die Sängervereinigung wie gewohnt ihren Mann. Im Mai 1976 beteiligte sich der Chor an einem Wertungssingen in Gunzenbach und erzielte wieder beste Bewertungen.

Das Jahr 1977 stand ganz im Zeichen des 90-jährigen Bestehens des Vereins. Vom 1. bis 4. Juli fand auf dem neugestalteten Festplatz an der Mainfähre ein großes Sängerfest statt. Unter der Überschrift „Jubiläumsfest nur schwer zu überbieten“ schrieb die Offenbach-Post: „Über 3000 Sängerinnen und Sänger kamen zum großen Jubiläumsfest der Sängervereinigung 1887 Mainflingen. Aus Anlass des 90. Geburtstages gab es ein pralles Viertage-Programm, das am Freitagabend mit einem Freundschaftssingen begann, sich am Samstag mit einem Tag der Begegnung der Sangesfreunde fortsetzte und in zwei überdimensionale Ereignisse gipfelte.“ Einmal war dies das Prädikat-Wertungssingen am Sonntagmorgen, zum anderen der Bunte Abend mit der Mainzer Rittergilde zum Festausklang. Dank der vorzüglichen Organisation, aber auch dank des herrlichen Wetters wurde das Sängerfest zum ganz großen Ereignis. Mit den Sängerbegegnungen vor allem in Mainflingen, wo sich viele heimische Chöre trafen, wurde das kulturelle Übergewicht des Ostkreises gegenüber anderen Gebietsteilen deutlich. Nirgendwo waren Quantität und Qualität so ausgeprägt wie am östlichen Untermain. Ein weiterer Höhepunkt des Jubiläumsjahres war das Festkonzert im Oktober im vollbesetzten Bürgerhaus. Chorleiter Robert Herr hatte ein vielseitiges Programm zusammengestellt, das von Solisten des Nationaltheaters Mannheim, einem Kammerorchester aus Würzburg und dem Männerchor der SVM gestaltet wurde. Krönender Abschluss des Konzertes war die „Kantatenprobe“ aus der Oper „Zar und Zimmermann“ von Albert Lortzing mit Karlheinz Herr als Solist und dem Männerchor.

Franz Müller für Otto Wissler

Das Jahr 1978 brachte zunächst einen Wechsel an der Vereinsspitze. Vorsitzender Otto Wissler, der 28 Jahre dem Vorstand angehörte und davon 22 Jahre als 1.Vorsitzender tätig war, musste aus gesundheitlichen Gründen sein Amt abgeben. ln Anbetracht seiner großen Verdienste um die Sängervereinigung wurde Otto Wissler von der Hauptversammlung einstimmig zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Sein Nachfolger als Vorsitzender wurde der langjährige 2. Vorsitzende, Franz Müller. Ein herausragendes und für den Verein sehr bedeutsames Ereignis war die Gründung des Frauenchores. Nach vielen vorbereitenden Gesprächen trafen sich am 20. Juni 1978 sechzig Frauen zur Gründungsversammlung im Saal „Zum SchimmeI“. Bereits am 29. Juni konnte Chorleiter Robert Herr die erste Singstunde mit ihnen abhalten. Das Interesse und der Lerneifer der Damen war so groß, dass der Chor bereits im Herbst seine ersten öffentlichen Auftritte absolvieren konnte. Bis zum Jahresende fand der Chor weiteren Zuwachs, so dass er bald 80 Sängerinnen zählte. Nach langer Pause unternahm die SVM im Jahre 1978 wieder einen großen Vereinsausflug. Er führte mit einem Sonderzug der Bundesbahn von Dettingen nach Bacharach am Rhein. Die 400 Teilnehmer erlebten dort einen herrlichen Spätsommertag und kehrten in guter Stimmung nach Hause zurück. lnsbesondere durch die Angliederung des Frauenchores ist in 1978 die Mitgliederzahl stark angestiegen und betrug am Jahresende 421 Mitglieder.

Von den vielen Aktivitäten des Jahres 1979 seien zwei Ereignisse besonders hervorgehoben. Es sind dies die Rundfunkaufnahme des Männerchores durch den Hessischen Rundfunk mit dem Chorzyklus „Singender Tag“ von Wolfgang Lüderitz und Volksliedern von Friedrich Silcher. Die Erstsendung erfolgte am 1. Dezember 1979. Mehrere WiederhoIungen in den folgenden Jahren bewiesen die höchste Qualität der Darbietungen. Auch die Teilnahme des Männerchores an einem Prädikat-Wertungssingen in Weinheim brachte einen vollen Erfolg. Für beide Chorvorträge erhielten die Sänger die Note „sehr gut“. Das waren die besten Prädikate aller teilnehmenden Chöre, die an diesem Wertungssingen vom strengen Wertungsgericht vergeben wurden. Nach dem Singen machte der Chor einen Abstecher nach Wersau im Odenwald, wo man bei Musik und Tanz noch einige frohe Stunden verbrachte.

Am 29. Juni 1980 beteiligte sich der Männerchor mit 75 Sängern an dem Prädikat-Wertungssingen der Sängervereinigung Germania 1895 Klein-Welzheim. Für den Chor „Als ob sie nicht Menschen wären“ von Quirin Rische und für das „Schifferlied“ von Friedrich Silcher vergab der Wertungsrichter, Herr Prof. Mohler, jeweils die Höchstnote „hervorragend“. Höhepunkt des Jahres war dennoch zweifellos das Chorkonzert im November 1980 im Bürgerhaus, an dem erstmals auch der Frauenchor mitwirkte. Robert Herr hatte wieder ein Programm zusammengestellt, das vom Volkslied bis zum großen Opernchor reichte und das dem begeisterten Publikum sichtlich gefiel. Zu erwähnen bleibt noch die Sängerfahrt in die Rhön, wo das Festprogramm des befreundeten MGV Cäcilia Steinbach von Männer- und Frauenchor mitgestaltet wurde.

Hervorragende Wertungen, Singende Damen und erfolgreiche SVM-Kicker

Das Jahr 1981 brachte dem Männerchor bei drei Wertungssingen in Seligenstadt, Gunzenbach und Jügesheim wieder sehr gute und hervorragende Ergebnisse. Der Frauenchor begeisterte die Senioren im Altenheim „Simeonstift" im Dezember 1981 mit einem gelungenen Adventskonzert.

Ab Oktober 1981 musste das Probenlokal gewechselt werden, da das Gasthaus „Zum SchimmeI“ geschlossen wurde. Dies wurde von allen Sängerinnen und Sängern sehr bedauert, da man sich hier immer sehr wohl gefühlt hat. Doch auch im neuen Probenlokal „Bürgerhaus“ fanden die Chöre eine gute Aufnahme.

Im Jahre 1982 feierte die Sängervereinigung ihren 95. Geburtstag. Bewusst verzichtete man auf die Ausrichtung eines großen Festes und lud stattdessen viele befreundete Vereine zu einem Chormusik-Abend am 9. Oktober und zu einem Matinee-Singen am 10. Oktober in das Bürgerhaus ein. Diese beiden Konzerte gaben einen guten Überblick über das hohe Niveau der Chöre unserer Region. Das Jahr 1983 war gekennzeichnet vom fünfjährigen Bestehen des Frauenchores. Allen Unkenrufen zum Trotz, die glaubten, dass sich diese „Episode“ bald wieder in Wohlgefallen auflösen würde, zeigte die Entwicklung des Frauenchors, dass die SVM hier auf eine echte Marktlücke gestoßen war. Der auf über 90 Sängerinnen angewachsene Chor zeigte weiterhin Aufwärtstendenz. Er wurde in der kurzen Zeit seines Bestehens bereits zu einem festen Bestandteil der kulturellen Szene Mainflingens.

Das Fußballteam der SVM gewann das erste Turnier der Ortsvereine bei der TSG Mainflingen mit ihrem „Teamchef“ Bruno Wissler und Torwart Dieter Scherer. Es sollte nicht der letzte Turniersieg der SVM-Kicker gewesen sein.

Im Oktober 1983 beteiligten sich die Damen erstmals an einem Prädikat-Wertungssingen in Alzenau und konnten die Prädikate „gut bis sehr gut“ erzielen. Auch der Männerchor nahm an einem Wertungssingen in Bad Soden/Taunus teil und kehrte mit den Prädikaten „sehr gut“ und „hervorragend“ für seine beiden Vorträge zurück. Gesanglicher Höhepunkt war das Chor-Konzert im Dezember 1983, das unter dem Motto „Singe mein Herz" wiederum vom Männer- und Frauenchor sowie Solisten des Nationaltheaters Mannheim gestaltet wurde. Über dieses sehr gut besuchte Konzert berichtete die Presse unter anderem: „Dieses hervorragende Konzert, das deutlich den Leistungsstand dieses hervorragenden Männerchores, wie auch Frauenchores, unter Beweis stellte, wurde noch bereichert durch Karlheinz Herr (Bass), Susanne Calabro (Sopran) und Hermann Emmerling (Klavier), wobei Karlheinz Herr ein gebürtiger Zellhäuser und der Bruder des Chorleiters Robert Herr ist. Anspruchsvoll waren die ausgewählten Werke, die durchwegs meisterhaft vorgetragen wurden.“ Fazit: „Es wurde im Bürgerhaus Mainflingen ein Konzert dargeboten, das ein hervorragendes Niveau hatte und des man sehr selten erleben kann.“

Erstmals in ihrer Vereinsgeschichte unternahm die Sängervereinigung in der Zeit vom 12. bis 15. Mai 1983 einen großen Vier-Tage-Ausflug. Die Fahrt mit drei Reisebussen ging nach Drachselsried im Bayerischen Wald. Dank der guten Vorbereitung durch Vorstand und Reiseleitung wurden es vier sehr erlebnisreiche Tage mit Ausflügen zum Arber, zum Nationalpark Bayerischer Wald, Besichtigung einer Glashütte und vielem mehr. Aber auch der gesangliche Teil kam nicht zu kurz. Männer- und Frauenchor gestalteten gemeinsam mit dem dortigen Hochsteinchor Oberried einen bunten Sängerabend und wirkten bei der Gestaltung eines Gottesdienstes in der Pfarrkirche Drachselsried mit. So war es eine gelungene und für alle Teilnehmer erlebnisreiche Fahrt.

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