Aufbruch zu neuen Ufern

Erst im Jahre1946 konnte der Verein seine Tätigkeit wieder umfassend aufnehmen. In dieses Jahr fällt der Zusammenschluss der „Einigkeit“ mit dem Arbeitergesangverein „Vorwärts“, der im Jahre 1921 gegründet wurde, aber nach der sogenannten Machtergreifung 1933 seine bis dahin ebenfalls sehr erfolgreiche Tätigkeit aufgeben musste. Nach dem Zusammenschluss erfolgte die Umbenennung des Vereins in „Sängervereinigung 1887 Mainflingen“. Unter neuem Namen, aber in alter Treue, wurde nun weitergearbeitet. Noch war Chorleiter Heinrich Küchler in Kriegsgefangenschaft, so dass Herr Isaak Hamburger trotz seines hohen Alters nochmals einsprang und den Chor leitete. Im Jahre 1947 kehrte Herr Heinrich Küchler dann zurück und setzte seine durch den Krieg unterbrochene Aufbautätigkeit fort.

Jetzt begann eine noch nie erlebte Blütezeit im Chorleben allgemein. Die Sänger- und Mitgliederzahl des Vereins wuchs ständig. Immer mehr junge Männer schlossen sich dem Chor an. Dies wirkte sich natürlich positiv auf die Leistungsfähigkeit des Chores aus. So waren es am 12. November 1950 stattliche 95 Sänger, die im großen Sendesaal des Hessischen Rundfunks in Frankfurt in einer Live-Sendung die „Stunde des Chorgesangs“ gestalteten. Gesellschaftlicher Höhepunkt in diesem Jahr war ein Vereinsausflug per Schiff nach Klingenberg.

Das Jahr 1952 stand ganz im Zeichen des 65-jährigen Vereinsbestehens, das im großen Rahmen gefeiert wurde. Auftakt war ein Jubiläumskonzert, bei dem neben dem Männerchor auch der wieder gegründete Knabenchor des Vereins und das Streichorchester der Stadtkapelle Seligenstadt mitwirkten. Unter der bewährten Leitung von Chormeister Heinrich Küchler wurde ein anspruchsvolles und gut aufgebautes Programm geboten, dessen Höhepunkte von den Zuhörern begeistert aufgenommen wurden. Mit diesem Konzert konnte der Chor seine Leistungsstärke erneut unter Beweis stellen. Im Juni 1952 wurde dann das eigentliche Stiftungsfest gefeiert, Bürgermeister Josef Schneider hatte das Amt des Festpräsidenten übernommen. Auf dem Festgelände herrschte drei Tage lang ein reges Leben und Treiben. Etwa 30 Vereine mit 2.000 Sängern nahmen am Festgeschehen teil. Diese Festtage waren eine hervorragende Demonstration für den Chorgesang, von der alle Beteiligten noch lange sprachen.

Auch im Jahre 1953 setzte sich die stetige Aufwärtsentwicklung des Chores fort. Davon zeugt vor allem ein im Mai veranstaltetes Chorkonzert. Ganz kurze Zeit nach dem großen Jubiläumsfest hatte man ein Programm erarbeitet, das den Anforderungen der modernen Chorliteratur, und vor allem den Ansprüchen des kritischen Publikums, vollauf gerecht wurde.

Einen Höhepunkt der sängerischen Tätigkeit hat der Chor im Oktober 1954 bei einem Kritikwertungssingen des „Männergesangvereins 1844 Mainz-Kostheim“ erreicht. Die Teilnahme an diesem Singen wurde mit einem Vereinsausflug verbunden, der 250 Personen als Teilnehmer sah. Der rund 100 Sänger zählende Chor stellte sich in einer Konkurrenz von 24 Männerchören der Jury. Für den vorgetragenen großen Chorsatz „Ans Werk“ von Willy Sendt erhielt der Chor die höchstmögliche Wertung „hervorragend“. In seiner Kritik schreibt der Wertungsrichter Hugo Lotz aus Wetzlar: „Hier gelang es in Tonreinheit, Rhythmik, Dynamik, Aussprache, Tonbildung und Chorklang einer überlegt vorbereiteten und ebenso beherrscht geführten Chorgemeinschaft im rechten Augenblick mit dem rechten Werk in die rechte Hochform zu kommen. Im ganzen volle Anerkennung und Beifall für diese Musterleistung im Chorgesang!“ Sie brachte dem Verein weiteren Auftrieb.

Im Jahre 1955 wurde wieder ein Chorkonzert veranstaltet, bei dem der Chor erneut seine Leistungsstärke unter Beweis stellte. Mit einer hervorragenden Bewertung beim Kreiswertungssingen in Klein-Auheim im Mai 1955 konnte sich der Chor
für die Teilnahme am Bundesleistungssingen des Hessischen Sängerbundes im Jahre 1956 qualifizieren. Doch zunächst brachte das Jahr 1956 nach langer Zeit wieder einen Wechsel in der Vereinsführung. Der seitherige erste Vorsitzende Adolf Walter, der dieses Amt seit 25 Jahren erfolgreich begleidete, musste das Amt aus gesundheitlichen Gründen niederlegen. In Anbetracht seiner einmaligen Verdienste um den Verein wurde er durch einstimmigen Beschluss der Generalversammlung zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Zum neuen Vorsitzenden wählte die Versammlung den bisherigen zweiten Vorsitzenden Otto Wissler. Am 6. Mai 1956 fand im großen Saal des Volkshauses in Mörfelden das Bundesleistungssingen statt, für das sich der Chor im Vorjahr qualifiziert hatte. Hier zeigte der Chor unter der Leitung seines Dirigenten Heinrich Küchler wieder die gewohnt reife Leistung. Im Jahre 1956 fand auch ein Chorkonzert statt, bei dem der Männerchor wiederum einen breiten Querschnitt seiner vielseitigen Arbeit vor zahlreichem Publikum geben konnte.